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Tor-Nutzer werden von der NSA als Extremisten überwacht

07.07.2014 10:51 von Christian Schell | Kommentar schreiben

Wer sich im Internet mit Anonymisierung beschäftigt, also etwa nach den Tools "Tails" oder "Tor" sucht, wird bei der NSA als "Extremist" vermerkt und bespitzelt.

(Quelle: Heise.de, 03.07.2014 und tagesschau.de)

Die Aussage stützt sich auf den Quellcode von XKeyscore. Daraus folgt:

Anonym = Extremist = überwacht durch XKeyscore (NSA, BND,...).

Im Grunde ist das nichts Neues denn schon 2013 berichtete der Guardian:

Der Guardian berichtet in einer neuen Runde von Snowden-Enthüllungen über die Aktivitäten der Geheimdienste, die darauf abzielen, Nutzer des Anonymisierungs-Dienstes Tor zu identifizieren und zu belauschen.

Einziger Trost: Die NSA gibt intern zu, dass sie dabei nicht sonderlich erfolgreich ist - "Tor stinks".

So sind anscheinend die grundsätzlichen Sicherheits-Funktionen des Tor-Netzes weiterhin intakt: "Wir werden niemals alle Tor-Nutzer identifizieren können", zitiert der Guardian aus einer Top-Secret-Präsentation mit dem Titel "Tor stinks". Mit manueller Analyse sei man lediglich in der Lage, einen sehr kleinen Anteil der Tor-Nutzer zu identifizieren. Insbesondere habe die Agency bislang keinen Erfolg damit gehabt, Anwender auf konkrete Anfragen hin gezielt zu De-Anonymisieren.

(Quelle: Heise.de, 04.10.2013)

Dennoch haben wir es jetzt noch einmal Schwarz auf Weiß: Wir Cypherpunks werden von der NSA und somit auch vom BND überwacht.

Das ist ein erheblicher Eingriff in unsere Privatsphäre, denn bislang ist die einzige Antwort unserer Bundesregierung auf den NSA-Skandal gewesen, dass Bürger sich im Internet selbst schützen müssen, und nun stellt man fest, dass gerade die, die verschlüsseln, überwacht werden.

"Das ist pervers und verrückt"

(Zitat: Konstantin von Notz, Mitglied im NSA-Untersuchungsausschuss).

 

Was beudetet das nun für Privatanwänder, die Anonymisierungstools wie Tor verwenden?

  1. Tor kann denjenigen, die wirklich auf Anonymität angewiesen sind (Journalisten, Dissidenten, Menschenrechtsaktivisten,...) schützen, jedoch nur dann, wenn genügend andere im Tor-Netzwerk unterwegs sind.
  2. Wer es benutzt, sollte die Gefahren kennen und kann dann stolz sein, jenen zu helfen, die Anonymität brauchen.

Wer die Risiken nicht kennt, dem sei gesagt,...

(...) dass Tor gute Dienste leisten kann, wenn man genau weiß, worauf man sich einlässt und sich dann auch dementsprechend verhält. Für den Internet-Alltag von Lieschen Müller ist Tor hingegen ungefähr so sinnvoll, wie eine Abkürzung zum Supermarkt über einen Schleichweg durch ein hochgiftiges Sumpfgebiet.

(Quelle: heise.de bzw. c't, Eigen-Tor: Gefahren der Tor-Nutzung im Alltag, 07.09.2013)

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